Keine Welpengruppe? Aber Welpen müssen doch Sozialkontakte haben und sozialisiert werden.

Warum Sie bei der Hundeschule/TeamTraining Pfotenfriends keine Welpengruppen mehr finden, erfahren Sie nun hier.

Welpenspiel und Kommunikation
Bis Dezember 2017 habe ich wie viele meiner Kollegen Welpengruppen und Welpenspielgruppen angeboten. Der Schwerpunkt meiner Welpengruppen (Gruppengröße ca. 3-6 Teilnehmer) lag immer in der Erziehung und weniger im Spiel. Trotz aller Bemühungen verliefen viele Welpengruppen nicht so, wie ich es mir für einen Welpen gewünscht hätte! Hierzu erläutere ich noch. Nun komme ich aber auf dem Punkt: Viele Welpenbesitzer haben vor allem das Spielen mit Gleichaltrigen im Kopf, wenn es um Welpengruppen geht. Doch besonders die Spiele innerhalb einer Gruppe bunt zusammengewürfelter Welpen sind häufiger Ursache für spätere Verhaltensauffälligkeiten, als man denkt. Wir wünschen uns einen treuen Begleiter, der an viele Alltagssituationen gewöhnt und bestens sozialisiert ist. Unser Kumpel soll stets freundlich, alltagstauglich, zuverlässig, nicht jagend, nicht stürmisch, nicht auf Leckerlis versessen, unkompliziert und am Besten noch zu jedem freundlich sein. Raus kommt, dass alle Hundehalter einen zuverlässigen Begleiter wollen, der immer hört! Zuhause beginnt das Ganze schon: der Welpe darf alles erkunden, Spaß und Freude haben. Dieser Anspruch setzt sich in den Welpengruppen fort.

Doch was lernt der Welpe in dieser Zeit?
Ein Welpe, der vor allem auf äußere Faktoren geschult wird und sich mit denen befasst und dann noch unvorbereitet bei weiteren unvorbereiteten Welpen landet, lernt im besten Falle, dass er sehr viel Spaß ohne seinen Menschen haben kann. Oft kommt noch dazu, dass der Mensch keinen Schutz und keine Orientierung bietet (woher soll er wissen, wie das geht). Leider ist auch dies zu ca 80-90% das Ergebnis einer falschen Sozialisierung.

Was soll Ihr Welpe lernen?
Möchten Sie, dass Ihr Hund später zu jedem anderen Hund hinläuft und diesen freudig begrüßt? Wenn nicht, sollte ihr Welpe nicht zu jedem fremden Hund hinrennen.
Möchten Sie, dass Ihr Hund später nervös und unsicher ist, wenn er selbst angeleint ist oder sein Bewegungsradius eingeschränkt ist? Wenn nicht, dann sollte Ihr Welpe vom ersten Tag lernen, sich an der Leine sicher zu fühlen und dass es keinen Kontakt an der Leine gibt.
Möchten Sie einen Hund, der sich in jeder Hinsicht zu seinem Menschen wendet, der zuverlässig kommt und aufmerksam ist? Dann sollte an der Orientierung zum Menschen, an einer Respektbeziehung und Vertrauen gearbeitet werden. Wichtig ist auch, dass ihr geliebter Vierbeiner nicht alleine und unkontrolliert die Welt erkundet! In der Pubertät macht dies dann keinen Spaß mehr! Vorab konsequent sein!
Jagdverhalten gewünscht? Wenn nicht, dann bitte keine Ballspiele, keinen Blätter ect. hinterher laufen lassen.
Ist der Hund erst einmal erwachsen und hängt in der Leine, ist nicht abrufbar oder gar lieber bei anderen Hunden, ist es schwierig wieder von neu zu beginnen. Besonders deutlich wird das, wenn Sie mit Ihrem Pubertier die gewohnte Umgebung verlassen und feststellen, dass nur noch Knete im Kopf ist.

Was passiert in klassischen Welpenspielgruppen?
Welpenerziehung, Welpengruppe, Thomas Baumann, Normen Mrozinski, Zitat aus einem Interview mit Thomas Baumann und Normen Mrozinski aus der dogs-Ausgabe Sep/Okt 2016:
“Natürlich hat der Trainer einen großen Gestaltungsspielraum, was im Rahmen der Gruppenstunde geschieht und gelernt werden soll. Die Vorstellung des Trainers unterscheidet sich jedoch meist von der, mit welcher die frisch gebackenen Hundeeltern die Welpengruppe aufsuchen. Zudem sind die Voraussetzungen der jeweiligen Hundehalter meist sehr unterschiedlich.”

In den klassischen Welpengruppen steht das “Spiel” meist im Vordergrund. Oft muss zu wildes Spiel gestoppt werden, alle im Blick haben kann nicht gewährleistet werden und so kommt eines zum anderen. Die wenigsten Welpen haben bereits eine ausreichende Bindung zu ihrem Menschen, um sie aufzusuchen. Und fatal ist, dass die wenigsten Menschen eine Überforderung erkennen und eingreifen.

Was passiert: Der Zweibeiner überträgt die Anspannung auf ihren „emotional verlorenen Welpen“. Meist ist das sog. “Spiel” oder wildes Toben, keinesfalls ein respektvolles Kennenlernen oder Miteinander. Vielmehr dient das Spielen, besonders bei jungen Hunden, der Konfliktlösung = Gespräch unter Hunden, denn je mehr Energie in den Kontakt gebracht wird um so weniger gut wird der Kontakt laufen. Um wirklich miteinander zu spielen, Grenzen kennen zulernen und zu kommunizieren (Stichwort “Sozialisierung & Sozialspiel”), benötigen sie unterschiedlich viel Zeit miteinander.

Statt Orientierung am Menschen beim Rückruf lernen die Welpen folgendes: Alles ist wichtiger als der Mensch, ich komme wenn ich mit meinen Sachen fertig bin und ich höre ihn ja!
Was passiert: Der Teufelskreis beginnt, der Zweibeiner wird immer aufgeregter, wütender, unsicherer. Anscheinend ist das hier eine brenzlige Situation oder benötigt mein Mensch etwa meine Hilfe? Jedoch kann der Welpe nicht zum Menschen, da er in ein Spiel verwickelt wird und alleine nicht hinaus kommt.

Und hier wird das Problem der Welpengruppen besonders deutlich: In einer neuen Umgebung mit weiteren Vier und Zweibeinern ist es für einen jungen Hund fast unmöglich, sich zu konzentrieren.
Das Pferd muss von vorne gesattelt werden: Basics wie Vertrauen, Respekt, Kommunikation werden in Einzeltrainings /Basisseminaren erlernt, um sie dann in der Gruppe zu generalisieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Welpe traumatisiert wird, zum Leinenrambo wird oder generell ein “asoziales” Verhalten gegenüber Artgenossen versehentlich anerzogen bekommt, ist relativ hoch. Hundeexperten, wie beispielsweise Thomas Baumann und Normen Mrozinski (welche sich ansonsten nicht immer ganz einig sind) machen unter anderem die “klassischen Welpenspielgruppen” und den Run auf diese für zunehmend mehr verhaltensauffällige Hunde verantwortlich. Eigentlich wären die meisten Welpen mit besten Voraussetzungen ins Hundeleben gestartet.

Es gibt Ausnahmen: Hundehalter, die Wissen mitbringen, talentiert und intuitiv viel richtig machen und fleißig üben. Diese sind in einer Welpengruppe jedoch meist völlig fehl am Platz da sie die Situationen richtig einschätzen. Selbstverständlich soll ein Welpe möglichst viele Dinge und Lebewesen kennenlernen dürfen und Erfahrungen sammeln. Die wichtigste Frage dabei ist jedoch, ob der Welpe, diese Erfahrungen auch tatsächlich als positiv verbucht und wie wir das als Hundehalter oder -trainer sicherstellen beziehungsweise möglichst optimal steuern können. Natürlich gibt es einige Hunde, die völlig unbeschadet eine wilde Welpengruppe überstehen und auch während der Flegelphase zuverlässig “hören”, obwohl es nie richtig geübt wurde oder grade erst begonnen wurde.

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Quellenangaben:  Little Puppies Friends BY VIKTOR HANACEK Frankfurt, Hundeschule Pfotenfriends, Thomas Baumann